Schüler zerstören Chip im neuen Personalausweis

In der Sendung vom 13. September 2010 berichtete das WDR-Magazin markt, dass es einer 9. Klasse unter Anleitung ihres Physiklehrers gelungen sei, aus einer Einwegkamera unter Zuhilfenahme eines Lötkolbens eine Vorrichtung zu bauen, mit der sie den im neuen Personalausweis verbauten RFID-Chip zerstören konnten.

Vor der Ausstrahlung der Sendung veröffentlichte der WDR eine Pressemitteilung, in der vollmundig behauptet wurde, das Sicherheitssystem, das die personenbezogenen Daten speichert sei ausgehebelt worden. Damit, so die Pressemitteilung weiter, sei dem Ausweismissbrauch […] weiter Tür und Tor geöffnet. Schließlich, so die Idee, könnte ein Ausweisdieb bei einer Ausweiskontrolle den Abgleich seines Gesichts und seiner Fingerabdrücke mit den auf dem Chip gespeicherten biometrischen Merkmalen umgehen, indem er den Chip zerstört.

Der Videobeitrag zeigt eine Schulklasse, die nach einer Anleitung aus dem Internet einen sogenannten RFID-Zapper baut. Dieses Gerät wurde bereits im Jahr 2005 auf dem Kongress 22C3 des Chaos Computer Clubs vorgestellt. Auf der Event-Website heißt es zur Funktionsweise des Zappers:

Er arbeitet ähnlich dem Prinzip eines Mikrowellenherdes: Durch eine Spule wird kurzzeitig ein starkes elektromagnetisches Feld erzeugt, ähnlich wie bei einem EMP. Dieses Feld induziert wiederum eine Spannung in der Spule des RFID-Tags, die so hoch sein soll, dass ein Bauelement der Schaltung im RFID-Chip durchbrennt.
Um die Kosten so gering wie möglich zu halten, entschieden wir uns dafür, den elektrischen Teil einer Einwegkamera mit Blitz zu verwenden.

Mit diesem Gerät gelingt es den Schülern, den im neuen Personalausweis enthaltenen Chip zu zerstören. Wie der RFID-Zapper funktioniert, wird in dem Beitrag nicht gezeigt. Lediglich einige Bauteile, wie der Blitzkondensator aus der Einwegkamera und eine Drahtspule sind zu sehen. Wir wollen Ausweisdieben ja keine Tipps geben, so die lapidare Begründung.

Letztlich macht der Beitrag aber nur viel Wind um nichts. Denn wenn ein Dieb mit einem fremden Ausweis eine Grenzkontrolle passieren oder einen Vertrag abschließen will, muss er dem Ausweisinhaber schon sehr ähnlich sehen. Schließlich ist auch weiterhin ein Foto des Ausweisbesitzers auf dem Ausweis aufgedruckt.

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4 Kommentare zu Schüler zerstören Chip im neuen Personalausweis

  1. Jan sagt:

    RFID Zapper sind ja nun wirklich ein alter Hut (http://www.youtube.com/results?search_query=rfid+zapper&aq=0). Aber Vorsicht! Der Perso ist Eigentum der Bundesrepublik. Jede nichtamtliche Veränderung ist strafbar (§ 273 STGB, §267 STGB).

  2. neuerPerso sagt:

    Toll, es ist gellungen, mit Hitze ein elektronisches Teil zu zerstören.
    Diejenigen die dieses für eine Sicherheitslücke halten, sollten vielleicht den Physikunterricht in dieser 9. Klasse noch einmal besuchen.
    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum das öffentliche Fernsehen mit unseren Fernsehgebühren solch einen Nonsens sendet.
    Anstatt die Leute aufzuklären, welche Funktionen der neue Perso hat, wie man sie anwendet und sicher damit umgeht, wird nur Panikmache betrieben.
    Wer Internetbanking betreibt, muss eher um sein Konto fürchten, als um die Daten in seinem Ausweis.
    Viele Bürger haben Daten aus ihrem Ausweis (Name, Anschrift, Alter und Bild) sowieso schon längst freiwillig auf allen möglichen Portalen im Internet veröffentlicht.
    Wer sich über den neuen Personalausweis kundig machen möchte, kann sich auf http://www.personalausweisportal.de informieren.

  3. Heppa sagt:

    Welches sicherheitstechnische und finanzielle Fiasko dieser Ausweis darstellt, kann auf der Seite dess Chaos Computer Club unter ccc.de nachgelesen werden.

  4. wtf sagt:

    perso ist eigentum der BRD? warum soll ich dann dafür bezahlen?

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